Texte von, über und für Gitti Schneider

 

Nicht die Dramatik des Raums, sondern die Dramatik des Zwischenraums, wie sie es in einem ihrer Kataloge nennt, steht im Zentrum des Schaffens der Künstlerin. Die Flüchtigkeit der Wahrnehmung, das oft nicht bewusst Betrachtete, das nur scheinbar Marginale oder Nebensächliche, sie werden plötzlich zu Hauptakteuren, Gitti Schneider führt Regie. Im Vorbeigehen sammelt sie Wahrnehmungsfetzen und setzt sie am Bildträger zusammen. Erinnerungsspuren gehen in Malspuren über.
Man passiert die Welt oder viel mehr die Gegenstände passieren die Künstlerin, die sich herausnimmt, was ihr im momenthaften Gedränge der Eindrücke hängen bleibt. Was vorbeihuscht, erfährt in den Bildern eine kurzfristige Arretierung. Irgendwann ist das Bild an seinem vorläufigen Ende angelangt. Fertig ist in diesem Fall relativ. Denn die Künstlerin scheut nicht davor zurück, die Bilder auch wieder zurechtzuschneiden und mithin neue Bilder zu gewinnen. Die Erzählstränge der Augenblicke werden neu montiert. Dies zeigt, dass die Bilder ein offenes System darstellen. Der Rahmen ist Fixierung nicht Begrenzung.
Die Gestaltpsychologie hat uns längst nachweisen können, dass wir in vielen Bereichen nicht einfach aufnehmen, sondern „komplettierend“ wahrnehmen. Wir fügen in der Bestandsaufnahme die fehlenden Stücke gleich dazu. Wenn also die Künstlerin mit ihrer Arbeit Passagen der Fragmente liefert, so setzt sie im Betrachter/ in der Betrachterin ein Spiel in Gang, das neue Räume eröffnet. Dies mag bei jedem Perzipienten/ bei jeder Perzipientin ein anderes Ergebnis bewirken, aber die Grundforderung an jedes Kunstwerk, etwas in Gang zu setzen, ist erfüllt.

Markus Neuwirth
 

Bilder wie Brokat
Es sind schillernde Wasserflächen, dicht gewebte Teppiche, prächtige Textilien, wie der Titel „Bilder wie Brokat“ anklingen lässt oder luftige Kalligrafien, in denen schwungvoll gesetzte Pinselstriche auf dem Papier umher tanzen: Warme Farben in allen Tonwerten streben schnell auseinander um wieder langsamer zu werden, bis hin zum Stillstand, unorganisierte Formationen in unterschiedlichen Rhythmen, kostbare Akzente in Gold und Silber, dichte Texturen und kalligraphisch anmutende Pinselzeichnungen. In diese Bilder taucht man ein wie in geheimnisvolle Räume, in denen man seine Orientierung erst finden muss, um dann doch mit einer Ordnung konfrontiert zu werden, die nicht vordergründig und eindeutig ist, sondern erfahrbar und anmutend, wenn man bereit ist, sich auf die Arbeiten von Gitti Schneider einzulassen.

Veronika Berti
 
Es geht immerwieder um das Bestimmen und „Wieder-Auflösen“, bis das Ziel eines freieren Raumes erreicht ist, wo Empfindungen von vertrauter Assoziation losgelöst sind
Gitti Schneider
 

- ein Geschehen, das obwohl es nicht auf ein Ende und nicht auf eineBotschaft zusteuert, eine kräftige Aussage von Ich bin trifft. Und dieses Ich bin ist, der Persönlichkeit Gitti Schneiders entsprechend, eher hell als dunkel, eher warm als kalt, eher freundlich als abweisend, darum aber keineswegs lieblich. Es drückt sichdarin die intuitive Verbindung mit einer tieferenSchicht, die die Welt und unsere Existenz in der Welt letztlich ausmacht, ein Subtext, der bei allem mitspielt und wirktdem Gitti Schneider – ausholend, Strich auf Farbe setzend, tänzelnd - auf der Spur bleibt.

- - - - kaum zum anschwellen der farben auf leinwand - das licht allmählich zurück – verschwinden dahinter fort - bis pigmente und leinwände nicht existieren – mehr noch - - - -

Erika Wimmer
 
In ihren Bildern konfrontiert uns Gitti Schneider mit einem assoziierenden, zugleich aber auch abstrahierenden Sehen. Die zur Anwendung kommenden Farbtöne vermitteln trotz der formalen Spontaneität eine Ruhe und Ausgeglichenheit der Komposition. Ab und zu drängen sich auch bestimmte geometrische Formen, wie z. B. Kreise oder Ovale in den Vordergrund und werden damit zum beherrschenden Element des Bildgefüges. In einigen Bildern korrespondiert in verstärktem Maße ein kräftiges Rot mit warmen Erdfarben oder Grau- und Grüntönen und bringt damit nicht nur mehr „Leben“ in die Bilder, sondern reißt diese in manchen Fällen auch in aggressiver und explosionsartiger Weise auf, wodurch sich ein Charakter der Verwundbarkeit und Verletzlichkeit ergibt. Die Arbeiten vermitteln dadurch subjektive Erfahrungswelten, sind Notationen emotionaler Prozesse.
Günther Dankl
 
Zwischenräume, Zwischenrealitäten, Wahrnehmungen nicht schnell einordenbar zu machen – heißt neue Räume aufmachen. Immer wieder in der Nähe von Erkennbarem, von klaren Assoziationen kommen und doch nicht dort ankommen, woanders hingehen müssen mit seiner Wahrnehmung, eben auf Zwischenräume, z. T. bekannte oder auch selten wahrgenommene.
Gitti Schneider